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Mein Kleiderschrank



Meine Einstellung zu Kleidung hat sich im Vergleich zu früher sehr geändert, noch vor kurzem war ich regelmäßig bei den üblichen Fashion Ketten shoppen und gab Unmengen an Geld für meine Garderobe aus. Es musste immer ein neues Top, eine neue Tasche ach die Jeans geht auch noch und ja eine weise Bluse die kann man immer gebrauchen....sein. 

Bereits in den letzten zwei Jahren habe ich versucht meine Kaufabsicht etwas zu ändern und weniger zu kaufen jedoch war ich schnell wieder in dem Rausch nach neuem gefangen und habe den Gedanken weniger ist mehr verworfen.

 

Anfang 2018 war ich durch meine Schwangerschaft gezwungen den immer wiederkehrenden Gedanken "ich habe nichts zu anziehen" zu eliminieren. 

Nachdem mir fast nichts mehr passte und ich das recht frustrierend fand dachte ich daran die Kleidung die im Moment zu klein war in Kartone zu packen und ab damit in den Keller, es musste ja platzt für neue Schwangerschaftskleidung her. 

Am nächsten morgen machte ich mich ans aussortieren, mein Kleiderschrank und jede einzelne Schublade quollen förmlich über, das war wie in einer Fundgrube, es waren Sachen dabei die ich weder vermisste noch jemals getragen habe. 

 

So lieblos sie da hingen so wenig vermisste ich sie...

Dieser Gedanke lies mich plötzlich nicht mehr los, die Tatsache Dinge zu besitzen von denen ich nicht mehr wusste war kaum nachzuvollziehen. 

Um Klarheit über den momentanen Kleiderstand zu schaffen, musste erstmal alles raus und eine Strategie her; ich musste erstmal herausfinden was mein Geschmack war.

Vor allem aber fiel mir auf, "Schwanger sein" ist keine gute Voraussetzung für eine Neuorientierung oder Geschmacksfindung schon gar nicht wenn einem 95 % der Sachen die man besitzt nicht passen.

Also vertagte ich das Anprobieren und Kombinieren meiner vorhandenen Garderobe auf irgendwann mal später. 

Mehr als die Hälfte meiner Kleidung wanderten in den Keller, mein Gedanke dabei war die Sachen nach meiner Schwangerschaft wieder zu inspizieren, um zu sehen was davon vermisst wurde, oder zum Kombinieren fehlte.

Und wir reden hier von 10 Monaten, das ist fast ein Jahr ohne diese Klamotten. 

 

Was blieb war sichtlich wenig, einige Schubladen waren sogar komplett leer.

Somit sah meine Schwangerschaftsgarderobe unglaublich überschaubar aus.

Shit happens dachte ich mir, es ist bald Sommer da gibt es wunderbare Schwangerschaftskleidung zu kaufen, umso ernüchternder war es zu sehen, wie wenig Auswahl es an schönen Dingen gab und wie unglaublich teuer all das, was ich für nur ein paar Monate, wer weis vielleicht auch nur Wochen tragen konnte war.

Enttäuscht ging ich nach Hause und surfte was das Zeug im Internet nach schönen Sachen, ich wollte schließlich auch mit Babybauch gut aussehen und wieder war ich zu geizig für diese kurze Zeit dieses Vermögen aus zu geben. Mir blieb nichts anderes übrig als mich in meinem vorhanden Kleiderschrank mit immer noch genügend Kleidung umzusehen. 

 

Kleidung die ich sonst eher selten trug gefiel mir plötzlich viel besser, Kleider die ich im Sommer kaum noch ansah, saßen wunderbar und ich habe mich in dieses Wenige, aber Wunderschöne irgendwie verliebt.

Seine eigene Kleidung wieder neu entdecken, kombinieren lernen und vor allem zu schätzen wissen war ein tolles Gefühl. Ich wollte mehr davon!

Und so strahlte ich den ganzen Sommer mit meiner Babykugel, in nur einem einzigen roséfarbenen Bikini, als hätte ich die Welt erobert.

Und mir fehlte es an nichts, ich wüsste nicht wieso ich noch ein oder zwei mehr davon hätte haben sollen. 

 

Dieses Gefühl meiner Kleidung gegenüber wollte ich nie wieder missen.

Ich war süchtig nach dieser Zufriedenheit mit meiner Garderobe, nach diesem Wohlgefühl wenn ich meinen Kleiderschrank sah oder mal wieder ein Kompliment über das was ich trug bekam.

Ich fing an mit den wenigen Teilen die ich hatte, besser zurecht zu kommen,

glücklicher zu sein und es gab keinen Tag mehr an dem ich "nichts zu anziehen hatte".

Alles was ich besaß gefiel mir und ich trage es bis heute sehr sehr gerne. 

Zehn Monate später war es Herbst, meine wundervolle Tochter war geboren und meine alte Figur wieder da, allmählich wurde es Zeit für die Kartone im Keller.

Es war seltsam, wenn ich an die Sachen dachte, teilweise wusste ich nicht mehr was ich dort finden werde.

Ich konnte also ganz gut ohne diese Dinge leben, nicht das ich nur noch ein Shirt und eine Hose besitze.

Auch ich mag die Abwechslung und drücke mich gerne über meine Kleidung aus, ich habe nur festgestellt das es andere Möglichkeiten gibt sich darüber zu definieren. Und dazu gehören eben nicht mehr 6 weise Blusen und 4 gleichfarbige Jeans. 

Mein Kleiderschrank besteht seit diesem Versuch aus mehr als nur Klamotten, dort findet man nun Die eine weise Bluse, Die perfekte Jeans und überhaupt DIE umwerfende Kleidersammlung.  

 

Love, Nastja

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